Die Geschichte vom Bäumchen
Es war einmal ein kleines Bäumchen,
das wurde von seinem Gärtner in die Wiese gepflanzt.
Es fühlte die warme feste Erde um seine Wurzeln,
es fühlte die Sonne, den Regen und den Wind und war sehr glücklich.
Jeden Tag kam der Gärtner und streichelte das Bäumchen,
und sagte ihm , wie schön es sei und wie sehr er es liebe,
unser Bäumchen war überglücklich.
Eines Tages beschloß das kleine Bäumchen
ein Stückchen nach links zu wachsen,
um noch mehr Licht und Sonne zu bekommen.
Ihr müsst wissen , es gibt nichts schöneres für kleine Bäumchen.
Also gedacht . getan , das Bäumchen wuchs ein kleines Stückchen
nach links - und war über alle Maßen glücklich über diese tolle Idee.
Nach einigen Tagen kam der Gärtner,
er sah das Bäumchen und sagte :
Also so geht das nicht , ein braver Baum wächst
nicht nach links, er wächst völlig gerade !
Er nahm eine Schere und schnitt dem Bäumchen die
falsch gewachsenen Äste ab.
Das Bäumchen brüllte die ganze Nacht,
es wusste nicht was es verkehrt gemacht hatte,
es wollte doch nur etwas mehr Licht bekommen,
das konnte doch kein Fehler sein , oder ?
Am nächsten Morgen beschloß das Bäumchen
ab nun ganz gerade zuwachsen, denn der Gärtner,
der es liebte, sagte ja es sei das Beste für ihn.
Darauf konzentriert, ja ganz gerade zu wachsen,
und sich ja nicht nach links oder rechts zu beugen,
wuchs das Bäumchen sehr rasch in die Höhe.
Was dem Gärtner wiederum nicht gefiel, er sagte :
Also wirklich , was soll das ?
Ein anständiger Baum wächst langsam und gemächlich
und nicht so schnell wie du!
Er nahm wieder die große Schere und schnitt dem Bäumchen
seine falsch gewachsenen Äste ab.
Das Bäumchen schrie und brüllte vor Schmerz,
was es auch machte es war verkehrt,
es wurde trotzig und beschloß in die Breite zu wachsen.
Wie du dir vorstellen kannst ging das auch nicht gut
wieder einmal kam der Gärtner mit der Schere und
schnitt die falsch gewachsenen Äste ab.
Und dann passierte das wahrhaft schreckliche :
Das Bäumchen hatte keine Tränen mehr,
es resignierte und es wuchs einfach so , wie der
Gärtner es von ihm verlangte.
Aber es hatte sich noch etwas verändert,
die warme Erde um die Wurzeln,
das Licht der Sonne, die Tropfen des Regens
und auch die Neckereien des Winds....
sie waren dem Bäumchen egal.
Es wuchs so wie der Gärtner es wollte und eines
Tages stand ein großer , stattlicher , gerade gewachsener
Baum in der Wiese, prächtig anzuschauen,
der Gärtner kam schon lange nicht mehr zu Besuch,
denn er lebte nicht mehr...
An einem sonnigen Tag gingen eine Mutter und ihre
kleine Tochter über die Wiese spazieren, als sie sich dem Baum näherten,
sagte de Mutter : Schau mal mein Kind , so ein schöner , prächtiger Baum !
Das kleine Mädchen legte den Kopf zur Seite und betrachtete nachdenklich
den Baum, sie sagte : Mama , ich glaube der Baum ist unglücklich !
Die Mutter schüttele den Kopf : Wie kommst du nur auf eine solche
Idee, mein Schatz, guck ihn dir doch genau an, er ist wunderschön, der
ist ganz gerade gewachsen und fest verwurzelt, dieser Baum ist bestimmt glücklich !
NEIN, sagte die Kleine mit Nachdruck, weißt du , er wollte gar nicht so wachsen,
wie er gewachsen ist, er ürde gerne ganz anders sein, aber er wurde nie richtig geliebt,
drum durfte er nicht so wachsen, wie er wollte.
Die Mutter schaute nachdenklich auf ihre Tochte : Du magst schon recht haben , Liebste,
manchmal siehst du Dinge, die ich schon lange nicht mehr sehe, ....hier unter diesem
Baum verspreche ich dir eins : Du darfst so wachsen wie du das willst !
Mutter und Tochter gingen Hand in Hand weiter und der Baum schaute ihnen
noch lange nach, bis sie hinter dem Horizont verschwunden waren,
er hatte alles mit an gehört und er konnte seinen Schmerz nicht länger
verdrängen.
Alles was er all die Jahre unterdrückt hatte, brach mit unglaublicher Wucht hervor,
der Schmerz fraß sich durch seine Äste, durch seine Rinde, durch sein Holz,
bis in die kleinste Wurzelfaser fühlte er diesen grauenhaften Schmerz , den
er so lange verdrängt hatte.
Es tat so weh, dass er Angst hatte sterben zu müssen, als die Wogen des
Erinnerns sich durch seinen Körper wälzten......
Am nächsten Morgen , als alles vorbei war, wischte er sich die allerletze
Träne aus seinen Augen und beschloß ..............
sofort ein kleines Stückchen nach links zu wachsen.